Die Geschichte unserer Vereinshalle

100 Jahre Sport und Geselligkeit unter eigenem Dach.

erstellt im Jahre 1999 von Otto Herrmann u. Herbert Klippel. 

Da in Wackernheim ein größerer Saal fehlte, entschlossen sich die sehr aktiven Mitglieder des damaligen Kriegervereins im Jahre 1888, eine Vereinshalle zu bauen. 

Der Bau war durch freiwillige Spenden und Darlehen finanziell abgesichert. Nach Eröffnung der Halle erfolgte 1890 der Bau des Denkmals.

1892 wurde der damalige Vorbau zur Halle erstellt. Noch heute ist der Stein mit dem „Eisernen Kreuz“über dem früheren alten Eingang erhalten. 

Als die Mitgliederzahl des Kriegervereins durch Tod immer mehr zusammenschmolz, beschloß der Verein im Jahre 1899 die Halle an den Turnverein zu verkaufen. 

 

Soweit die anfängliche Hallengeschichte aus der Festschrift der Kyffhäuser-Kameradschaft von 1972.

Nach der Gründung des Turnvereins, das war mit Sicherheit schon lange vor 1862, wurde viele Jahre im Saal des Gasthauses „Knabe-Kloos“ (heute Anwesen Ditmar Kloos, Neustraße) und später im Gasthaus Michel (heute Anwesen Hartmann, Bornstraße ) geturnt. Einen Turnplatz hatte der Verein im Garten des Anwesens Michel (heute H.-J. Mitz , Große Hohl). Begeisterte Buben hatten sich, da sie damals noch nicht Mitglied im Verein sein durften, einen eigenen Turnplatz auf dem Anwesen Müller Im Kirschgarten geschaffen. 

Doch nun zurück zur Halle. 

Das vom Kriegerverein errichtete Bauwerk wurde im Jahre 1899 vom damaligen Turnverein erworben und als Vereinsturnhalle ausgebaut. 1900 erhielt der TV die Schankkonzession für die Turnhalle, eine sehr wichtige Sache für die finanzielle Grundlage. 1902 fand in der Halle der Gauturntag statt. Ein Brand im Nachbaranwesen Becker -Schulstraße- im Jahre 1905 beschädigte auch die Turnhalle. Am 17. Februar 1905 wurde der Turnverein in das Vereinsregister eingetragen. 1908 wurde die Wasserleitung und 1913 elektrisches Licht verlegt.

Der Vorplatz zwischen Halle und Denkmal war Schulgut, bis der Ankauf im Jahre 1919 möglich wurde. 

Im ersten Weltkrieg (1914-1918) waren zuerst deutsche Soldaten in der Halle einquartiert, später bis zum Kriegsende russische Gefangene. Nach dem Krieg war die Turnhalle requiriert für französische Besatzungssoldaten, die dann in die neu errichteten Kasernen auf dem Flugplatz Wackernheim umzogen.

Für die hinterlassenen Schäden wurden dem Verein 3000 Mark ersetzt. 

1927/28 erfolgte der weitere Ausbau der Turnhalle und der Anbau der Bühne. 

Von 1954 auf 1955 wurde die Turnhalle erstmals nach dem Kriege umgebaut. 

Der Dachreiter wurde entfernt und eine Ölheizung eingebaut. 

Bis zu diesem Zeitpunkt mußten im Winterhalbjahr die Zöglinge zwei riesige „Bulleröfen“ eine halbe Nacht lang vorheizen. Einer der Öfen stand in der Nähe der Bühne, ein anderer hinten vor der damaligen Küche. 

Das Vorheizen hatte den Erfolg, daß die Turnhalle einigermaßen temperiert war. In unmittelbarer Nähe der großen Öfen konnte man sich kaum aufhalten und in der anderen Ecke konnte es sehr schnell wieder kühl werden. Die Umbauarbeiten 1954/55 wurden größtenteils in Selbsthilfe geleistet, einen großen Teil der Kosten trugen die Mitglieder durch die Zeichnung von Bausteinen. 

1957/58 erfolgte die Erweiterung des Schankraumes und die Verkleidung der linken Saalwand. 

Unvergeßlich im Zusammenhang mit der Bewirtschaftung der Turnhalle ist die „ Küche“ mit dem „Schrimbe Marieche“ als Köchin. Ihr Speisezettel konnte damals mit einem Speisegasthaus konkurrieren. 

In der damaligen Halle ging man vom Eingang durch eine Flügeltür, dann drei Stufen hinunter und rechts in die Küche, die durch einen Blechrolladen zum Saal hin geöffnet werden konnte. 

1967 wurde in der Vereinshalle ein Jugendraum gebaut und ein neuer Hallenboden verlegt.

1973 ist ein wichtiges Jahr in der Vereinsgeschichte. Am 7. April 1973 erfolgte die Fusion des Turnvereins 1862 mit dem Verein für Ballspiele 1958 Wackernheim zum heutigen Turn-und Sportverein 1862 Wackernheim, kurz TSV Wackernheim. 

Mit dem Kauf der Scheune Krämer im Jahre 1976 beginnt das große Bauen -das umfangreichste in der Vereinsgeschichte. 

Was in den Jahren 1976 - 1980 und 1992 - 1993 geleistet wurde ,verdient einen Ehrenplatz in unsrer Erinnerung. Der Startschuß fiel am 27.11.1976. Es begann der Abriß der gekauften Scheune Krämer. Auf diesem Gelände und einem Teil des bisherigen Vorplatzes , wurden im I. Bauabschnitt folgende Anlagen geschaffen: 

Das Sitzungszimmer, der Geräteraum, der Wirtschaftsraum mit anschließendem Lager und der neue Eingangsbereich. 

Die Gesamtplanung dieser Maßnahme erstellte unser Vereinsmitglied Architekt Klaus Künstler die erforderliche Statik erbrachte unser Mitglied Dipl.-Ing. Dr. Wolfgang Gruber. 

Beide Herren stellten dem Verein nichts in Rechnung, ebenso wie viele Vereinsmitglieder ihre Leistungen ehrenamtlich zum Wohle des Vereins zur Verfügung stellten. 

Die Arbeiten des 1. Bauabschnittes waren bis Ende 1977 fertig gestellt. 

Darauf begann der 2. Bauabschnitt :

Diese- auch sehr umfangreichen -Arbeiten bestanden in:

  • Neugestaltung der Bühne, Wegfall der bisherigen störenden Stützpfosten, neuer Fußboden auf der Bühne, 
  • neue Wand- und Deckenverkleidung mit entsprechender Wärmeisolierung der gesamten Halle. 
  • Einbau einer neuen Beleuchtungsanlage mit neuer Notbeleuchtung. 
  • Erstellung einer völlig neuen Damen- und Herrentoilette. 
  • Schaffung eines neuen Notausganges. 
  • Errichtung eines Umkleideraumes, welcher an Fastnacht als Bar verwendet werden sollte. 
  • Einbau einer Gemeinschaftsdusche. 
  • Schaffung eines Heizöl-Lagerraumes, 
  • Einbau einer kompletten neuen Heizung mit verbesserter Be- und Entlüftung der Halle. 
  • Gestaltung der Garderobe im Hallenvorraum. 
  • Einbau eines Versenkrecks in der Halle. 

Durch die Neugestaltung der Innenansicht konnte der Gesamteinruck der Halle sehr verbessert werden. 

Diese Arbeiten waren bis Ende 1980 im wesentlichen beendet. 

Leider konnte der Plan, den Umkleideraum unter der Halle während der Fastnachtstage als Bar zu nutzen, aufgrund behördlicher Auflagen nicht verwirklicht werden, da kein gesonderter Notausgang vorhanden war. Bereits in dieser Zeit wurde angedacht, einen Notausgang unter der Halle bis zum Eingang zuschaffen, da sich hierbei auch die Möglichkeit ergäbe, einen direkten Zugang zu den Dusch- und Umkleideräumen sowie eine Garderobe vom Halleneingang aus zu schaffen. Dieser Plan wurde jedoch zurückgestellt. 

Bei Erstellung der Rechnungen, bei denen die Firmeninhaber Mitglieder des Vereins sind, wurden uns sehr günstige Konditionen bzw. Preise eingeräumt. Es handelte sich besonders um die Mitglieder, Hans Dregischan, Jürgen Graf, Herbert Mitz und Peter Richter. Unser Hausschreiner, Willi von Gemünden, war für ein geringes Entgelt tätig.

1. Vorsitzender der Vereins war in dieser Zeit bis zum April 1990 Heinrich Weiand.

In den folgenden Jahren wurden in der Vereinshalle noch Restarbeiten und anfallende Renovierungen vorgenommen.

Anzumerken ist, dass in den Jahren 1982 - 1984 auf dem neuen gemeindeeigenen Sportplatzgelände und Sportplatzgebäude Eigenleistungen durch Mitglieder des TSV. sowie Kosten für Handwerker und Geräte (z. Bsp. die beiden Garagen am Ende des Sportplatzes) in Höhe von ca. 100000,-- übernommen wurden. 

Bei der Generalversammlung am 22.3.1991 wurde Friedhelm Anspach zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. 

Der 2. Vorsitzende, Herbert Klippel , trug an diesem Abend die Pläne für den 3. Bauabschnitt der Hallenerweiterung vor und nach lebhafter Diskussion stimmte die Generalversammlung mit großer Mehrheit diesem Vorhaben zu. 

Ziel dieser Maßnahme war : 

  • Schaffung eines direkten Zuganges zu den Dusch- und Umkleideräumen, 
  • Verlegung der Garderobe aus dem Eingangsbereich nach unten,
  • Erstellung von 2 Räumen unter der Halle zur Nutzung als Arbeits- und Lagerraum, 
  • Schaffung eines Notausganges, damit der Umkleideraum bei verschiedenen Veranstaltungen als Sektbar genutzt werden kann. 

Die Planung für diesen Bauabschnitt wurde vom Vorstand , dem Vereinsmitglied Architekt Klaus Künstler übertragen. Als Zeitpunkt für den Beginn der Bauarbeiten wurde durch den gebildeten Bauausschuß der Beginn der Sommerferien 1992 festgelegt. Die Rohbauarbeiten wurden durch die Fa. O. u. B. Kessler vorgenommen. Es wurde beschlossen, daß aus Gründen der Statik und des Brandschutzes, die Decke über dem Kellergeschoß massiv ausgeführt wird. 

Als der Hallenboden entfernt wurde ergab sich, dass das alte Holz nicht mehr verwendet werden konnte und es wurde entschieden, den gesamten Hallenboden -ohne die Bühne- zu erneuern. Auch wurde der Beschluß gefasst, die Heizung auf Erdgas umzustellen und den Tankraum zu entfernen, um hierdurch den Umkleideraum bzw. die Sekt- und Bierbar zu erweitern. 

Der Startschuß zu dieser Baumaßnahme fiel wie geplant am 16.6.1992 direkt nach der Kerb. 

Bereits am 17.10.1992 konnte beim Königsball der Kyffhäuser-Kameradschaft die Halle wieder provisorisch genutzt werden. 

Da die Arbeiten für die Fa. Keßler günstiger verliefen als zunächst kalkuliert war, wurde der vereinbarte Festpreis durch ein Entgegenkommen der Fa. Keßler reduziert. 

Zunächt war geplant, den neuen Hallenboden durch eine Firma verlegen zu lassen. Da der Preis hierfür jedoch zu hoch gewesen wäre, erfolgt die Verlegung in Eigenleistung. Die Fliesenarbeiten führte die Fa. Hans Dregischan aus, die Umstellung der Heizungsanlage nahm die Fa. Richter vor, und die Elektroarbeiten führte die Fa. Elektro-Sieben, Inh. Jürgen Graf , durch. 

Sehr viele Mitglieder waren bei den Ausbauarbeiten wieder ehrenamtlich tätig. Stellvertretend für viele seien hier unser leider viel zu früh verstorbenes und für seine besonderen Verdienst bei den Bauarbeiten zum Ehrenmitglied ernanntes Mitglied Dieter Becker, sowie unsere „Seniorenriege“ mit Peter Engel, Friedel Heppel, Jakob Schäfer und Herbert Weinhold genannt. Auch Siefried Just, Hans Hamm und Reinhold Speth waren bei allen Arbeiten immer Ansprechpartner. 

Pünktlich zum Beginn der Fastnachtssitzungen des Jahres 1993 waren die Arbeiten des letzten Bauabschnittes abgeschlossen. Die Gesamtorganisation der Bauarbeiten aller Bauabschnitte lag in den Händen des langjährigen 2. Vorsitzenden Herbert Klippel, welcher auch bis heute die Baukasse führt. 

Dies sei der Übergang zu den Gesamtkosten und den Einnahmen der Baumaßnahmen: 

Ein bedeutender Posten bei den Einnahmen stellte der Erlös der „Tubenaktion“ da. 

Durch die Vermittlung unseres Vorst.-Mitgliedes Thomas Großer zu seinem Arbeitgeber, der Fa. Werner u. Mertz , konnte der Verein Tuben mit Schuhcreme umpacken. Hier waren nicht nur Vereinsmitglieder sondern auch andere Wackernheimer unzählige Stunden im Einsatz. 

Durch diese Aktion kamen DM 102.500,-- in die Baukasse. 

Die Spenden betrugen insgesamt ca. DM 200.000,-- 

Von der Gemeinde erhielten wird einen Zuschuß von insgesamt DM 80.000,-- und von dem Sportbund DM 36.200,--. 

Die diversen Einnahmen beliefen sich auf DM 7.500,- und aus Mitteln des Vereins (Kasse Sport u. Wirtschaft ) kamen DM 166.500,--. 

Dies ergibt eine Summe von DM 592.700,- 

 

Pünktlich zur Generalversammlung im Jahre des Hallenjubiläums waren alle Schulden getilgt. 

Als letzter Baustein zum Abschluß der geschilderten Baumaßnahmen wurde auch die von einem Mitglied gestiftete Hinweistafel auf den Eigentümer der Halle angebracht. 

Die großen Um- u. Erweiterungsmaßnahmen sind abgeschlossen. 

 

Auch im 2. Jahrhundert unserer Halle werden Renovierungs- und Erneuerungsmaßnahmen erforderlich sein. Bereits jetzt ist bekannt, daß die Steuerung der Heizung erneuert werden muß und auch das Hellendach einer Renovierung bedarf. 

Größere bauliche Erweiterungen können jedoch auf der jetzt vorhandenen Fläche nicht mehr vorgenommen werden. 

Wir hoffen, daß die Halle auch in den nächsten 100 Jahren sportlicher und geselliger Mittelpunkt des Vereins und der Gemeinde Wackernheim ist.