28.06.2006

Wackernheimer bringen Zuckmayer ins Weimarer Land

Eine Erfahrung ganz besonderer Art machte die Theatergruppe des TSV Wackernheim am Pfingstwochenende in Thüringen. Mit dem Lustspiel "Der fröhliche Weinberg" von Carl Zuckmayer gastierte sie in Oßmannstedt und in Liebstedt bei Weimar. Beide Aufführungen sollten vor natürlicher Kulisse im Mühlen-Gut Cämmerer in Oßmannstedt und im Innenhof der Ordensburg in Liebstedt über die Bühne gehen und einen Beitrag zur Renovierung der historischen Witzmannorgel in Oßmannstedt leisten.

Schon während der Proben in Wackernheim kam bei den Beteiligten immer wieder die Frage nach dem zu erwartenden Wetter hoch, da uns der Sommer bis dahin kaum verwöhnt hatte und der Wetterbericht auch für die Pfingsttage nicht viel Besseres verhieß. Dennoch ging es, nachdem Gepäck und Requisiten im Bus verstaut waren, guten Mutes gen Osten. Bei schönem Wetter wurde dann bereits am Nachmittag im Mühlen-Gut für den nächsten Tag geprobt und im Anschluss war es dem ganzen Tross zum ersten Mal vergönnt, die Gastfreundschaft des Hauherren und seiner Familie zu erleben. Bei Soljanka, Thüringer Bratwürsten, Sekt, Bier und Wein wurde noch weit bis in den Abend hinein im Garten an der Ilm gefeiert.

Genau so gut fing auch der Samstag morgen an. Bei Sonnenschein ging es zu einer Stadtbesichtigung nach Weimar, um auf Goethes Spuren zu wandeln. Am Mittag ließ der Blick zum Himmel jedoch nichts Gutes für den Nachmittag ahnen. Tatsächlich fing es bereits vor der Aufführung leicht zu regnen an. Es sollte auch nicht mehr aufhören, so dass der erste Akt bei Regen gespielt werden musste. Hier nun fand die eingangs erwähnte besondere Erfahrung eine Fortsetzung. Keiner der erschienenen Zuschauer verließ seinen Platz. Alle harrten bis zum Ende des Aktes aus und waren begeistert.

 

Es tat ihrer Begeisterung auch keinen Abbruch, als sie für den zweiten und dritten Akt in die angrenzende Scheune umziehen mussten. Hier zeigte das Ensemble nun sein Improvisationsvermögen. Selten wurde so konzentriert gespielt, wie in dieser ungewohnten Umgebung. Kein Wunder, dass der Beifall des Publikums kaum enden wollte.

 

Der Abend war wieder geprägt von der Gastfreundschaft der Familie Cämmerer. In einem Kellergewölbe des Anwesens wurde für alle Pfälzer Saumagen serviert.

Am nächsten Morgen ging es zunächst zur Probe nach Liebstedt. Der Burghof bietet eine geradezu ideale Kulisse für den "Weinberg". Allerdings blies ein sehr kalter Wind, der zum Teil auch die gesprochenen Texte verwehte. Es war daher erwogen worden, die Aufführung nach innen zu verlegen.

Wegen der nicht so guten Bühnenverhältnisse entschied man sich doch für die Freilicht-Aufführung in einer geschützteren Ecke des Burghofes. Es regnete zwar nicht, aber der Wind war recht kalt. Dennoch harrten auch hier die Zuschauer aus bis zum Schluss. Der Applaus war wiederum überwältigend. Bezeichnend war, dass Leute, die das Stück in Oßmannstedt gesehen hatten, auch nach Liebenstedt gekommen waren, um sich die Aufführung noch mal anzusehen. Eine bessere Bestätigung kann man sich kaum wünschen.

 

Wie aus der dortigen Lokalzeitung zu entnehmen, nannte die Oßmannstedter Landtagsabgeordnete Christine Liebknecht "die Aufführung einen gelungenen Beitrag zum 1050-Jahr-Jubiläum unseres Ortes".

Nach einem "Wackernheimer Abend" in Kromsdorf ging es dann am Montag mit einem kleinen Abstecher nach Erfurt zurück nach Wackernheim.

 

Text: J. Kneip

Bilder von den Schauspielern der Theatergruppe des TSV 1862 Wackernheim e.V

Juni 2006